OpenAI hat Sora 2 abgeschaltet und keinen Ersatz genannt, und damit steht in jeder Serienvereinbarung ein Modell, das es nicht mehr gibt
Seit dem 24. September gibt es die Sora-2-Schnittstelle nicht mehr. Der Ersatz ist billiger, aber ein Look lässt sich damit nicht einfach weiterführen. Was ich daraus für Serienaufträge mache.
Bei Serienaufträgen kommt irgendwann der Satz: „Mach die nächsten zehn Clips genauso wie die ersten.“ Bei einem Fotografen ist das eine Frage von Licht und Objektiv. Bei KI-Video ist es eine Frage, ob das Modell noch existiert.
Seit dem 24. September existiert eines davon nicht mehr.
Was passiert ist
Auf der Deprecation-Seite von OpenAI steht der Eintrag nüchtern da: Ankündigung am 24. März 2026, Abschaltung am 24. September 2026, betroffen sind die Videos-API sowie sora-2 und sora-2-pro. Als empfohlener Ersatz ist nichts eingetragen. Die Seite von OpenAI ist hier meine einzige Primärquelle. Alles Weitere stammt von Dritten.
Laut einem Blogbeitrag von LaoZhang AI wurde die Sora-App schon am 26. April eingestellt, und bei Microsoft läuft die Vorschauversion von sora-2 in Foundry noch bis zum 15. Oktober. Dieses Datum habe ich nicht bei Microsoft selbst bestätigt gefunden. Die Seite, die ich dazu geöffnet habe, nennt Sora gar nicht. Ich gebe es deshalb nur als Angabe aus zweiter Hand weiter.
Was der Markt dazu sagt
Der Preisindex von UGC Copilot führt Sora 2 inzwischen als „Retired“ und zeigt die letzten Preise: 0,10 Dollar pro Sekunde für 720p mit Audio, bei Sora 2 Pro 0,30 bis 0,70 Dollar je nach Auflösung. Für den Stand vom 1. Oktober nennt der Index eine Spanne von 0,03 bis 0,778 Dollar pro Sekunde über alle Anbieter. Der Median für einen Acht-Sekunden-Clip direkt beim Hersteller liegt bei 0,93 Dollar. Die günstigste Variante kostet 0,24 Dollar, die teuerste 6,22 Dollar.
Der Anbieter des Index ist selbst ein Marktteilnehmer, die Zahlen sind Listenpreise vor Rabatten. Ich lese sie als Größenordnung, nicht als Angebot.
Ein abgeschaltetes Modell lässt sich also leicht ersetzen. Mehrere Alternativen kosten ähnlich viel oder weniger. Wer nur Kosten im Blick hat, sieht hier kein Problem.
Warum es für mich trotzdem eines ist
Ein Kunde kauft nicht ein Modell, sondern ein Ergebnis. Das stimmt. Nur hängt bei Video das Ergebnis an Eigenheiten, die kein Prompt zuverlässig überträgt: wie ein Stoff fällt, wie eine Hand greift, wie sich das Licht über eine Fläche bewegt. Ein anderes Modell liefert andere Fehler, und die ersten zehn Clips sind dann nicht mehr die Referenz für die nächsten zehn.
Ein Fotograf kann zwei Jahre später im selben Studio nachdrehen. Ich kann das nur, solange der Anbieter das Modell am Leben hält. Bei Sora waren das sechs Monate Vorwarnung und danach nichts.
Dass es die Vorwarnung gab, zähle ich fair mit. Wer die Hinweise von OpenAI las, hatte Zeit. Wer eine laufende Serie hatte, musste sie in diesem Zeitraum abschließen oder auf ein anderes Modell umziehen. Zeit hilft nur dem, der den Termin kennt.
Was ich daraus mache
- —In Serienangeboten steht künftig ausdrücklich, dass das Modell wechseln kann und dass ein Wechsel die Optik verändert. Wer das nicht will, bekommt die ganze Serie in einem Durchgang und früh abgeschlossen.
- —Zu jeder Serie lege ich ab, womit sie entstanden ist: Modell mit Kennung, Prompts, Referenzbilder, Einstellungen. Nicht für den Kunden, sondern damit ich in sechs Monaten weiß, was ich nachbauen muss.
- —Bei einer Fortsetzung auf einem anderen Modell erzeuge ich zuerst zwei oder drei Probeclips und zeige sie neben dem Altmaterial. Der Kunde entscheidet, ob der Unterschied tragbar ist. Das ist Arbeitszeit, und sie steht dann im Angebot.
- —Bilder, die als Startpunkte dienen, bleiben bei mir im Original. Ein Standbild hängt nicht an der Lebensdauer einer Schnittstelle.
Der Einwand
Man kann sagen, dass ich damit ein Problem pflege, das die meisten Kunden gar nicht haben. Eine Kampagne läuft sechs Wochen, danach sieht niemand mehr hin. Für diese Aufträge ist ein Modellwechsel egal, und die Klauseln machen das Angebot nur länger.
Das ist bei Einzelaufträgen richtig. Bei Marken, die eine wiederkehrende Figur, eine feste Bildwelt oder eine Reihe über ein Jahr wollen, ist es das nicht. Dort sitzt das Risiko in genau dem Satz vom Anfang.
Die Abschaltung von Sora ist kein Skandal. Sie war angekündigt, datiert und dokumentiert. Sie zeigt nur, wer in dieser Branche die Haltbarkeit seines Werkzeugs trägt, wenn der Anbieter es abschaltet: Es ist der, der die Serie verkauft hat.
Quellen
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