Mein Standard-Videomodell hat seit einer Woche einen Nachfolger, den ich keinem Kunden anbieten kann
Kling 4.0 wurde Ende September mit 30 Sekunden und 4K vorgestellt. Verfügbar ist eine Flash-Variante mit 20 Sekunden und 720p, für eine begrenzte Gruppe, ohne Preis und ohne Schnittstelle. Zwischen diesen zwei Sätzen liegt mein ganzes Angebotswesen.
Vergangene Woche habe ich für sechs Clips ein Angebot geschrieben. Darin steht, mit welchem Modell ich arbeite, wie lang die einzelnen Einstellungen werden, was die Rechenzeit kostet und wie viele Durchläufe ich für einen brauchbaren Take einplane. Zwei Tage später kam die Rückfrage: Es gebe doch jetzt dreißig Sekunden in einem Durchgang und 4K. Warum das nicht im Angebot stehe.
Weil es das noch nicht gibt. Nicht für mich, nicht für ihn, und nicht für irgendjemanden, der am Monatsende eine Rechnung stellen muss.
Was angekündigt ist
Kuaishou hat Kling 4.0 vorgestellt, und die Zahlen sind beachtlich: drei bis dreißig Sekunden in einem Durchgang, Ausgabe in 720p, 1080p und 4K, bis zu zehn Keyframes für Szenen innerhalb des Clips, bis zu fünfzehn Referenzen pro Auftrag und 21:9. Die offizielle Veröffentlichung der Standardversion ist für Oktober genannt, ohne Tag.
Schon beim Datum der Ankündigung widersprechen sich die Quellen. Orcarouter und sloptv nennen den 28. September, ein ausführlicher japanischer Fachbeitrag auf note.com datiert die Ankündigung auf den 29. September und den vorgezogenen Zugang zur Flash-Variante auf den 28. Ich habe keine Möglichkeit, das aufzulösen, also schreibe ich es hin, statt mich für ein Datum zu entscheiden. Einig sind sich alle drei beim Rest.
Was tatsächlich läuft
Verfügbar ist seit dem 28. September ausschließlich Kling 4.0 Flash, und zwar für eine begrenzte Nutzergruppe in Klings eigener Anwendung. Flash macht bis zu zwanzig Sekunden, 720p, 8 Bit SDR. Das angekündigte 10-Bit-HDR führt der Anbieter laut Orcarouter als „coming soon“.
Dazu kommt der Punkt, der für meine Arbeit zählt: Es gibt keinen API-Endpunkt und keine Modell-Kennung. Der API-Anbieter APIMart hat dafür eine Vorschauseite online, auf der dreimal „API Coming Soon“ steht, und formuliert sehr genau, worum es geht: Früher Zugang auf Klings eigener Plattform bedeute keinen API-Zugang. Preise für 4.0 und Flash seien nicht angekündigt.
Die Zahl, um die die ganze Ankündigung gebaut ist, die dreißig Sekunden, kann derzeit niemand erzeugen.
Warum das in einem Angebot den Unterschied macht
Was ich verkaufe, ist nicht Zugang zu einem Modell. Was ich verkaufe, ist ein Ergebnis zu einem Preis, der vorher feststeht. Dafür brauche ich zwei Dinge, und zwar beide: einen Endpunkt, den ich automatisiert ansprechen kann, und einen veröffentlichten Preis pro Sekunde.
Mit dem Vorgänger habe ich das. Laut Atlas Cloud kostet Kling 3.0 über die offizielle Schnittstelle zwischen 0,084 und 0,168 Dollar je Sekunde, je nach Modus und danach, ob ein Video als Eingabe dient; die Clips liegen bei fünf bis fünfzehn Sekunden. Aus diesen Zahlen lässt sich rechnen. Ich weiß, was zwölf verworfene Durchläufe kosten, und kann entscheiden, ob ich sie mir leiste oder den Prompt ändere.
Bei Kling 4.0 kenne ich keine dieser Größen. Ein Modell ohne Preis ist in einem Angebot eine offene Position, und offene Positionen zahle am Ende ich.
Der Einwand, der berechtigt ist
Man kann das Gegenteil mit guten Gründen vertreten. Wer nur mit Modellen arbeitet, die Endpunkt und Preisliste haben, arbeitet immer eine Generation hinter dem Stand der Technik. Der frühe Zugang hat einen echten Wert, der nichts mit Kundenaufträgen zu tun hat: Man kennt die Eigenheiten eines Modells, wenn alle anderen die Ankündigung lesen, man weiß nach zwei Wochen, wofür es taugt, und man kann in einem Pitch sagen, dass man es getestet hat. Studios, die diesen Vorlauf systematisch mitnehmen, sind schneller am Markt als ich.
Das stimmt, und ich mache es auch. Nur eben in einem anderen Ordner.
Wie ich es praktisch trenne
- —Ins Angebot darf ein Modell, wenn es eine Modell-Kennung, einen erreichbaren Endpunkt und einen veröffentlichten Preis je Sekunde hat. Alles andere ist eine Absichtserklärung.
- —In den Versuchsordner darf alles, sobald ich drankomme. Was dort entsteht, zeige ich als Beispiel, nicht als zugesagte Leistung.
- —Wenn ein Kunde eine Zahl aus einer Ankündigung mitbringt, sage ich ihm, welche Variante davon heute läuft. Das ist unbequemer als Mitnicken und erspart die Diskussion, wenn die Standardversion vier Wochen später kommt als gedacht.
Die Länge war in meiner Arbeit ohnehin selten der Engpass, dazu habe ich vor einer Woche etwas geschrieben. Hier geht es um etwas Nüchterneres. Angekündigt und ausgeliefert sind zwei verschiedene Ereignisse, und der Abstand dazwischen ist genau die Strecke, auf der Kundenerwartungen entstehen, die niemand einlösen kann.
Wenn die Standardversion im Oktober wirklich kommt, mit Preis und Schnittstelle, ist sie am Tag danach in meinen Angeboten. Vorher nicht.
Quellen
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