← JournalMaximilian Friedrich
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Seit dem 1. September steckt ein Bildgenerator im Büro-Abo meiner Kunden — was ich ab jetzt nicht mehr verkaufen kann

Google rollt Pics in Workspace aus: Bilder erzeugen und einzelne Objekte darin ändern, ohne Aufpreis ab Business Standard. Das einfache Bild als Dienstleistung ist damit vorbei. Was übrig bleibt, ist unbequemer zu verkaufen.

Seit dem 1. September rollt Google ein Werkzeug namens Pics in Workspace aus. Es erzeugt Bilder aus einem Prompt, nimmt vorhandene Bilder auf und lässt einzelne Objekte darin anklicken und ändern: Farbe, Größe, Position. Text im Bild lässt sich bearbeiten und übersetzen, das Ergebnis auf 2K oder 4K hochrechnen und für Web, Social oder Druck zuschneiden. Domains im „Rapid Release“ bekommen es seit dem 1. September, alle anderen ab dem 15. September.

Freigeschaltet ist es ab Business Standard. Das kostet laut Googles deutscher Preisseite 13,60 Euro pro Nutzer und Monat im Jahresvertrag, ohne Steuern. Wer Workspace für E-Mail und Kalender ohnehin in dieser Stufe bezahlt, bekommt den Generator ohne Aufpreis dazu. Laut TechRepublic ist Pics standardmäßig aktiv; Admins können es für die ganze Domain, einzelne Organisationseinheiten oder Gruppen abschalten.

Neu ist nicht die Technik, sondern der Ort

Bildgeneratoren gibt es seit Jahren. Bisher musste aber jemand im Unternehmen aktiv eines suchen, ein Konto anlegen, eine Kreditkarte hinterlegen. Jetzt liegt der Generator neben dem Foliensatz. Google nennt als Einsatzfelder ausdrücklich Marketingkampagnen, Produktinszenierung, Social-Media-Motive und Flyer. Das ist ziemlich genau die Liste, mit der ich meine Arbeit beschreibe.

Der zweite Punkt ist die Bearbeitung einzelner Objekte. PetaPixel hat nach der Vorstellung im Mai das Grundproblem sauber benannt: Generatoren kommen oft nah an das Gewünschte heran, aber irgendetwas stimmt nicht — und bisher hieß das, neu würfeln. In genau dieser Schleife steckt ein großer Teil meiner Arbeitszeit. Wenn jemand im Marketing den falschen Ärmel selbst umfärbt, ist das Arbeit, die bei mir nicht mehr ankommt.

Wo die Quellen auseinandergehen

9to5Google und TechRepublic schreiben, Pics laufe auf Googles Bildmodell Nano Banana. Google selbst nennt in seinen beiden Ankündigungen keinen Modellnamen, sondern nur „Google's best AI imaging models“. Für die Praxis ist das kein Detail: Ohne Modellnamen weiß niemand, ob dasselbe Werkzeug in drei Monaten anders rechnet als heute.

Unklar ist auch die Menge. Google verspricht „higher access“ zu den KI-Funktionen bis mindestens 28. Februar 2027 und schreibt dazu, danach könne der Zugang eingeschränkt werden. Wie viele Bilder das pro Tag sind, steht nirgends. Wer im Haus einen Bildprozess darauf baut, baut ihn auf einem Kontingent, dessen Größe er nicht kennt.

Was ich daraus ableite

Für einfache Bilder wird bald niemand mehr einen Dienstleister bezahlen. Das Symbolbild für den Newsletter, die Titelfolie, der Flyer fürs Sommerfest — das macht jetzt, wer im Büro sitzt. Ich halte das für richtig. Für solche Aufträge war ich immer zu teuer.

Was nicht im Abo steckt, sind drei Dinge.

  • —Das echte Produkt. Ein Werkzeug, das eine Flasche umfärben kann, kann auch das Etikett verändern, ohne dass es jemandem auffällt. Bei mir wird jedes Motiv gegen das echte Produktfoto gehalten. Das ist langweilige Arbeit, und sie ist der Grund, warum eine Marke überhaupt bezahlt.
  • —Die Serie. Ein gutes Einzelbild ist leicht geworden. Zwanzig Bilder, die über drei Monate nach derselben Marke aussehen, sind es nicht. Das ist Planung, keine Bedienung.
  • —Die Verantwortung. Für realistische KI-Bilder in der Werbung ist nach Artikel 50 der KI-Verordnung derjenige zuständig, der sie einsetzt, nicht der Hersteller des Werkzeugs. Die Kanzlei Reed Smith liest die Leitlinien der EU-Kommission vom Juli so, dass sämtliche Werbebeispiele darin unter die normale Kennzeichnung fallen. Entsteht das Bild im eigenen Haus, landet diese Frage bei jemandem, der vielleicht nie davon gehört hat. Das ist meine Einordnung aus der Produktion, keine Rechtsberatung.

Das Gegenargument

Man kann diese drei Punkte für Selbstberuhigung halten, und ich nehme den Einwand ernst. Produkttreue und Konsistenz sind genau die Schwächen, an denen die Anbieter am härtesten arbeiten. Objektbezogenes Bearbeiten ist selbst schon die Antwort auf eine Schwäche, mit der Dienstleister wie ich bisher argumentieren konnten. Wer seinen Preis auf eine technische Lücke baut, verliert ihn an dem Tag, an dem sie geschlossen wird.

TechRepublic schreibt zwar, Pics solle nicht automatisch als Ersatz für eine eigene Designplattform gelten. Das klingt tröstlich. Es ist aber eine Aussage über diesen Monat, nicht über das nächste Jahr.

Was ich ändere

Einzelne Bilder biete ich nicht mehr als eigenen Posten an. Wer ein einzelnes Motiv braucht, bekommt von mir den Hinweis, dass er das Werkzeug dafür wahrscheinlich schon bezahlt. Mein Angebot beschreibt stattdessen, was am Ende stimmen muss: Produkt, Serie, Kennzeichnung.

Und ich frage bei neuen Kunden, ob Pics im Haus eingeschaltet ist. Nicht, um es auszureden, sondern weil die Bilder, die dort entstehen, neben meinen im selben Feed stehen werden. Wenn sie nicht zusammenpassen, hält das niemand für ein Problem des Werkzeugs.

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