← JournalMaximilian Friedrich
4 Min. Lesezeit

ChatGPT verkauft bald die Wartezeit beim Bilderzeugen als Werbeplatz, und mein Motiv steht dann neben einem Bild, das nichts kostet

OpenAI will noch im Oktober in den USA Anzeigen testen, die erscheinen, während ChatGPT ein Bild rechnet. Für Europa ist das noch nichts zum Buchen. Das Umfeld sagt trotzdem etwas darüber, was ein Werbebild künftig können muss.

Wer in ChatGPT ein Bild erzeugt, wartet. Ein Balken läuft, die Prozentzahl steigt, irgendwann ist das Bild da. Genau diese Wartezeit will OpenAI jetzt an Werbekunden verkaufen.

Was angekündigt wurde

Am 5. Oktober hat OpenAI ein neues visuelles Anzeigenformat für ChatGPT vorgestellt. Getestet wird es zuerst während der Bildgenerierung. Der Test soll laut OpenAI „later this month“ in den USA beginnen, mit einer ersten Gruppe von Werbekunden. BleepingComputer und Search Engine Roundtable zitieren dieselben zwei Zusagen aus der Mitteilung: Die Anzeigen seien „clearly labeled“ und blieben „separate from the image being created“. OpenAI wiederholt außerdem, dass Werbung die Antworten von ChatGPT nicht beeinflusse.

Search Engine Roundtable beschreibt das Beispielbild, das OpenAI mitgeliefert hat. Oben entsteht ein Bild, der Fortschritt steht bei 62 Prozent. Darunter ist die Anzeige schon fertig geladen und klickbar. Zeigen sollen die Anzeigen laut OpenAI Produktinspiration, die Verwendung eines Produkts oder das Erlebnis, das eine Dienstleistung möglich macht. Als Reichweite nennt OpenAI 1,2 Milliarden Menschen pro Woche.

Wo die Berichte auseinandergehen

TechCrunch schreibt in der Überschrift, OpenAI starte die Anzeigen, und beschreibt sie als Anzeigen neben den Ergebnissen der Bildgenerierung. Die anderen drei Quellen sprechen von einem Test während der Generierung. Im Text nennt auch TechCrunch den Start erst für später im Oktober. Ich lese das als Test, der noch nicht läuft.

Welche Tarife die Anzeigen sehen, steht in keinem der vier Berichte, die ich geöffnet habe. Das Swiss IT Magazine erinnert an die Vorgeschichte: In den USA sehen seit Januar Nutzer des kostenlosen Tarifs und des günstigsten Abos Go Anzeigen im Chat. Seit August gibt es ChatGPT-Anzeigen auch in der Schweiz und 30 weiteren europäischen Ländern, zahlende Abonnenten sind ausgenommen. Das neue Bildformat ist bisher nur für die USA angekündigt.

Zahlen zur Wirkung gibt es für das Format nicht. Search Engine Roundtable gibt Ergebnisse wieder, die OpenAI für die bisherigen Anzeigen nennt, etwa bei WeightWatchers einen um 15,3 Prozent niedrigere zugeordnete Kosten pro Abschluss als im eigenen Vergleichswert für bezahlte Suche. Die Zahl stammt von OpenAI und einem Messpartner. Über die Anzeige unter dem Fortschrittsbalken sagt sie nichts.

Warum mich das Umfeld mehr beschäftigt als das Format

Ein Werbebild stand bisher neben Urlaubsfotos, neben Reels, neben Text. In diesem Format steht es zum ersten Mal neben einem Bild, das der Betrachter sich in derselben Minute selbst erzeugen lässt, für wenig oder kein Geld. Er hat gerade beschrieben, was er sehen will, und sieht gleich das Ergebnis. Direkt darunter liegt mein Motiv.

Ein glattes, austauschbares KI-Bild verliert diesen Vergleich. Es sieht aus wie das, was oben gerade entsteht, nur dass niemand danach gefragt hat. Bestehen kann an dieser Stelle ein Bild, das der Generator des Nutzers nicht liefern kann: das echte Produkt mit richtigem Etikett, die echte Verpackung, ein wiedererkennbarer Ort, ein Mensch, den es gibt. Dafür werde ich bezahlt, wenn ich mit KI arbeite. Die Referenzfotos des Kunden und die Kontrolle gegen das Original sind der Teil, den ein Prompt allein nicht ersetzt.

Dazu kommt die Stimmung. Wer ein Bild erzeugt, will gerade selbst etwas gestalten. Eine Anzeige, die zeigt, wie ein Produkt verwendet wird, passt dort besser als ein Rabatt. OpenAI beschreibt das Format selbst so.

Das Gegenargument

Man kann das für eine Randnotiz halten, und es spricht einiges dafür. Der Test ist klein, auf die USA beschränkt und hat noch nicht begonnen. Für das Format gibt es keine einzige Leistungszahl. Wer auf sein Bild wartet, schaut auf den Balken und will danach weiterarbeiten. Kaufabsicht sieht anders aus. TechCrunch weist außerdem darauf hin, dass solche Anzeigen das Nutzererlebnis stören können und Gelegenheitsnutzer eher in ein bezahltes Abo treiben. Dann wäre der Werbeplatz genau bei den Leuten leer, die Geld ausgeben.

Ich halte das alles für möglich. Für einen Kunden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt es heute nichts zu buchen, und ich verkaufe niemandem eine Vorbereitung auf ein Format, dessen Maße ich nicht kenne.

Was ich ändere

Eine Sache, und die kostet nichts. Bevor ein Werbemotiv rausgeht, lasse ich mir zum selben Thema ein Bild von einem frei verfügbaren Generator erzeugen und lege beide nebeneinander. Sieht mein Motiv aus wie das Gratisbild, ist es noch nicht fertig. Diese Prüfung ist unabhängig davon sinnvoll, ob das Format je nach Europa kommt. Der Vergleich findet im Kopf der Leute ohnehin schon statt. OpenAI baut ihn jetzt nur in die Oberfläche ein.

Du willst so etwas für deine Marke — Bilder, Bewegtbild oder eine Seite, ohne Shooting?

Was das kostet →